In den letzten Tagen war die Aufregung groß: Landsberger Schüler sollen sich NS-verherrlichende bzw. verharmlosende Bilder und Fotos, in ihrer Whats-App-Gruppe geschickt haben. Ähnliche Vorfälle und entsprechende Hinweise gab es bereits in der Vergangenheit. Die Aussage des Landesschulamtes gegenüber dem MDR ist somit wahrheitswidrig.

„Wir haben im Moment diesen einmaligen Vorgang dort. Mit dem müssen wir uns ernsthaft und intensiv auseinandersetzen. Aber über diesen Vorgang den Stab über eine ganze Stadt zu brechen, halte ich für überzogen.“

Torsten Klieme, Direktor des Landesschulamtes“

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/landsberg-gymnasium100.html

Landsberg ist vielmehr seit Jahren ein Schwerpunkt neonazistischer Aktivitäten im Saalekreis. Mehrfach äußerten Schüler des Gymnasium Landsberg gegenüber dem offenen Antifaplenum Halle, dass es rechte Schmierereien an den Bushaltestellen gab. Auch sollen bereits im Geschichtsunterricht revisionistische Aussagen von Schülern gefallen sein. Wir wollen im Folgenden einige Hinweise auf vergangene neonazistische Tendenzen in Landsberg geben und fordern von den Verantwortlichen das Problem endlich anzuerkennen und nicht länger zu beschwichtigen.
Das Gymnasium sowie die Sekundarschule in Landsberg zeichnen sich bereits seit einigen Jahren durch eine aktive rechte Szene unter Schülern aus. Im Jahr 2011 gab es eine rechte Gewalttat auf dem Schulhof des Landsberger Gymnasiums, wie die mobile Opferberatung in ihrer Chronik auflistet:

Anlaufstelle Süd, eigener Bericht
18.02.2011 Landsberg (Saalekreis)

Gegen 12:45 Uhr wird ein 20-jähriger Antifaschist auf dem Schulhof des Gymnasiums beim Vorbeilaufen an einer etwa 15- bis 20-köpfigen Gruppe z.T. augenscheinlich Rechter gezielt von einem Schüler der gegenüberliegenden Sekundarschule angerempelt. Als der Betroffene fragt, was das soll, wird er von dem Rechten geschubst, mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und zu Boden gestoßen. Erst als eine Pausenaufsicht interveniert, lässt der Angreifer von dem Betroffenen ab. Zuvor hatte sich der 20-Jährige auf dem Schulhof mit Schülern des Gymnasiums über die Kampagne „Wähl nicht NPD“ unterhalten. Dies hatten mehrere bekannte Rechte offenbar im Vorbeilaufen mitbekommen und sich daraufhin gesammelt. Der 20-Jährige erleidet eine stark blutende Platzwunde an der Lippe. Er erstattet Anzeige.

http://www.mobile-opferberatung.de/monitoring/chronik2011/

Im selben Jahr gründete sich eine rechte Gruppierung namens „Weiße Kämpfer Landsberg“, welche mehrfach im Verfassungsschutzbericht auftaucht:

Weiße Kämpfer Landsberg“

Am 9. Februar versammelten sich in Kabelsketal, OT Zwintschöna, etwa 15 bis 20 Personen, die dunkel bekleidet waren und Fackeln trugen. Sie marschierten für fünf Minuten durch den Ort und riefen Parolen. Über Ermittlungen der Polizei wurde bekannt, dass es sich hierbei um eine Aktion des Personenzusammenschlusses „Weiße Kämpfer Landsberg“ handelte. Die Gruppierung wurde hierbei von der „AG Halle-Saalekreis“ unterstützt. (Verfassungsschutzbericht des Lands Sachsen Anhalt 2013, S. 44-45.)

Mitglieder der „weißen Kämpfer“ nehmen zudem regelmäßig an Rechtsrockkonzetten teil:
http://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/drs/wp6/drs/d3072dak.pdf (S. 3)

Auch der bundesweit bekannte Neonazi Steffen Hupka agiert von Landsberg aus (Vgl. Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt 2013, S. 71.) Gruppennachrichten bzw. SMS-Ketten sind in Landsberg ebenfalls kein neues Phänomen. Auch hier findet sich ein Hinweis im Verfassungsschutzbericht. So sollen SMS mit folgendem Hinweis in Landsberg verschickt wurden sein:


„Du wurdest gehitlert (Ansicht mit Hitlergesicht und Hakenkreuzen). Hitlere andere Leute, um auch ein Führer zu werden. Du darfst mich nicht zurück hitlern, da ich jetzt dein Führer bin. Hitlere mindestens fünf weitere Personen oder es wird in 88 Tagen ein geldgieriger Jude dein gesamtes Geld klauen und dich vergewaltigen. Lauf Ali lauf. Das ist eine Ketten-SMS. Für jede Person, die diese Nachricht weiter sendet, wird ein Einwanderer zurück in sein Heimatland geschickt.“ (Vgl. Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt 2013, S. 30).

All diese offiziell zugänglichen Quellen belegen, dass es in Landsberg seit längerem eine etablierte rechte Szene gibt. Diese ist keinesfalls erst seit einigen Wochen aktiv, sondern vielmehr das Ergebnis jahrelangen Wegsehens und Beschwichtigens.

Neben diesen offiziellen Quellen wurde uns zudem zugetragen, dass Schüler des Gymnasiums untereinander ein rechtes Propagandavideo namens „Buchenwald – die Wahrheit“ über soziale Netzwerke teilten. In diesem Video werden die Morde im Konzentrationslager Buchenwald geleugnet. Auch im Geschichtsunterricht sollen sich Schüler der „Argumente“ aus dem Video bedient haben. 2010 nahmen Schüler aus Landsberg an einer Buchenwald-Fahrt der freien Kräfte Saalekreis teil. Auf dieser wurde ebenfalls das Morden im KZ Buchenwald verharmlost und die Schüler hielten sich gegenseitig Vorträge über die „Buchenwald-Lüge“. Fotos von dieser Fahrt finden sie im Anhang (u.a. Bild vom Eingangstor mit Saalekreis-Nazi und Gruppenfoto mit Landsberger Schülern).

 

Nazis bei Poserfoto in Buchenwald